Warum ist es gerade jetzt wichtig, offen und transparent über das Thema Spenden zu sprechen? Wir befinden uns in einer politisch angespannten Zeit, in der die Finanzierung für NGOs und internationale Organisationen zunehmend unter Druck gerät. Es wird immer öfter versucht, die Arbeit von NGOs zu delegitimieren – Gelder werden gestrichen, und in den Medien tauchen Berichte über Missbrauch von Spendengeldern auf. Deshalb ist es umso wichtiger, klar und offen zu zeigen, was mit den Spenden bei AMICA passiert und warum wir darauf angewiesen sind.
Wie können Spender*innen nachvollziehen, was mit ihren Beiträgen passiert? Transparenz ist für uns essenziell. Unsere Jahresabschlüsse sind öffentlich einsehbar. Ich kann zu jeder Zahlung auf unserem Konto genau sagen, woher das Geld stammt und wofür es verwendet wurde.
Wie sieht das sensible Thema des Verwaltungsanteils bei AMICA aus? 2023 gingen 70% unserer Ausgaben in die Projekte, der Rest wurde für Verwaltungsarbeit verwendet. Was an unserer Art, Kosten zu kategorisieren, liegt: Wir zählen etwa das Gehalt einer Referentin für unser Ukraine-Projekt als Verwaltungskosten, während größere Organisationen solche Posten als „Projektkosten“ verbuchen. Wir bevorzugen, die Dinge so abzubilden, wie sie tatsächlich sind.
Wie können Projekte auf Basis von Spenden geplant werden? Zum Glück können wir relativ stabil planen, weil wir eine treue und engagierte Spender*innengemeinschaft haben – dafür sind wir unglaublich dankbar! Allgemeine Spenden setzen wir dort ein, wo dringend Bedarf ist. Es gibt aber auch die Möglichkeit zweckgebunden zu spenden und damit ganz gezielt eine Region oder ein Projekt voranzubringen.
Gibt es bei AMICA neben der klassischen Geldspende noch andere Möglichkeiten, sich zu engagieren? Ja, absolut. Häufig erhalten wir z.B. Erlöse aus Kunstauktionen oder Sammelspenden anlässlich eines Geburtstages. Es gibt auch die wertvolle und tatkräftige Unterstützung durch Ehrenamtliche, die uns bei vielen Aktionen kreativ unterstützen.
Eine schöne Erfolgsgeschichte, die durch eine Spende möglich wurde? Eine sehr schöne sogar: Eine von unserer bosnischen Partnerorganisation betreute Frauengruppe hat einen wohltuenden Ausflug zu Thermen gemacht, der den schwer traumasierten Frauen sehr half. Dies regte unsere dortigen „Landfrauen“ zu der Idee einer gemeinschaftsfördernden Unternehmung mit Frauen aus allen Landesteilen an. Eine großzügige Spenderin, mit der wir in Kontakt standen, machte es möglich. Es ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen eine Spende ganz ohne „Nachweise“ und „Evaluierung“ bewilligt wurde – einfach, weil jemand verstanden hat, dass Menschlichkeit nicht immer messbar sein muss.
Interview: Laura Schwiertz mit AMICA e.V. / Foto: ©Jeannette Petri
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